Heraus zum 1. Mai: Demo | 15.00 Uhr | Rosengarten | Bern

 Raus aus der Krise - solidarisch gegen den Kapitalismus 

Existenzängste, Rassismus, Burn-outs, Flucht, Sexismus, Armut, Abhängigkeit, Krieg, Stress, Naturzerstörung und weitere Härten: Die Liste von Auswirkungen des Kapitalismus und der immer wiederkehrenden Krisen auf unseren Alltag ist lang. Doch sind längst nicht alle Menschen gleich oder im selben Ausmass davon betroffen. Die Leiden könnten unterschiedlicher nicht sein. Was aber verbindet die Sorgen eines 59-Jährigen, der in der Coronakrise entlassen wurde, mit einer alleinerziehenden Mutter von drei Kindern, die versucht Haushalt, Kinderbetreuung und Lohnarbeit unter einen Hut zu bekommen? Was verbindet einen Sans-Papiers, der ohne Arbeitsvertrag unter miesen Bedingungen arbeiten muss, mit einem geflüchteten Menschen, der an der Aussengrenze der Festung Europa Gewalt durch Grenzbeamt:innen erfährt? Was verbindet eine IV-Bezüger:in, die immer wiederkehrenden Schikanen der Behörden ausgesetzt ist, mit einer von rassistischer Polizeigewalt betroffenen Person? Es sind dieselben kapitalistischen Verhältnisse inklusive der rassistischen und patriarchalen Strukturen, die für die Situation dieser Menschen verantwortlich sind. Diese Menschen - auch wenn ihre Ausgangslage und konkreten Lebensrealitäten sehr unterschiedlich und nicht vergleichbar sind - haben eines gemeinsam:  Sie sind Teil der globalen Arbeiter:innenklasse.


Die Arbeiter:innenklasse: Alle Menschen, die keine Produktionsmittel* besitzen und somit ihre Arbeitskraft verkaufen müssen, um überleben zu können. Das mag für so manche:n nach 19. Jahrhundert klingen. Doch sind wir alle, wenn wir nicht gerade einen verdammt grossen Haufen Geld oder eine Firma erben, auf verschiedenste Arten und Weisen vom Kapital abhängig. Klar, einige Lohnarbeitende verdienen viel, bei anderen ist nicht einmal das Existenzminimum abgedeckt. Einige haben eine Lehre absolviert, andere studiert, und wieder andere die Ausbildung abgebrochen. Einige werden im Knast ausgebeutet, andere müssen unbezahlte Haus- und Carearbeit erledigen, und sind damit zusätzlich auch noch von lohnarbeitenden Partner:innen abhängig. Bei manchen reicht es für ein Eigenheim, andere leben auf der Strasse. Einige haben direkten Zugang zum Arbeitsmarkt, andere sind abhängig von kontrollierenden und einschränkenden Sozialrentensystemen. Die Gemeinsamkeit aber bleibt: Wir alle sind abhängig von denjenigen, die Produktionsmittel besitzen. Wir alle leiden unter dem Kapitalismus und seinen Krisen.


Der Kapitalismus ist ein Monster mit vielen Köpfen. Ein Monster, welches die allermeisten Menschen zuerst mal von den Dingen ausschliesst, die wir zum Überleben brauchen. So stirbt auf unserer Welt alle 10 Sekunden ein Kind unter fünf Jahren an Hunger [1], während auf derselben Welt tagtäglich Nahrungsmittel für 12 Milliarden Menschen produziert werden. [2] Dasselbe Monster, welches Menschen vor vollen Regalen verhungern lässt, beutet auch unsere Umwelt, ohne Rücksicht auf Kollateralschäden, bis zum letzten Tropfen Trinkwasser in den Brunnen, bis zum letzten Baum im Regenwald, aus. Ein Monster, das den Ausschluss der Menschen von den Produktionsmitteln* und die daraus folgenden Abhängigkeiten gnadenlos ausnutzt, um die Menschen gegeneinander auszuspielen und in Konkurrenz zu zwingen. Dabei wird mithilfe unterschiedlicher Formen von Diskriminierungen wie beispielsweise Sexismus, Rassismus oder Ableismus die (Über-)Ausbeutung verschiedener Menschen vorangetrieben und legitimiert. Diese Diskriminierungen führen zur Spaltung der Arbeiter:innenklasse: Meist ist es viel einfacher noch weiter nach unten zu treten, als sich gegen das Monster aufzulehnen. Wir können daher nicht nur auf die Befreiung der Arbeiter*innen von der Lohnarbeit hinarbeiten, sondern müssen auch das Patriarchat, Heteronormativität, Rassismus, Ableismus etc. angreifen. Es ist notwendig, Kämpfe zu verbinden und gemeinsam für die Befreiung aller Menschen von Hierarchien und Unterdrückung zu kämpfen.


Diese Kämpfe sehen nicht für alle Menschen gleich aus. Denn nicht alle Menschen machen dieselben Erfahrungen und sind von denselben Diskriminierungen betroffen. Es ist uns unmöglich von heute auf morgen aus unserer Sozialisierung auszubrechen oder unsere verschiedenen Betroffenheiten zu überwinden. Trotzdem müssen wir bereits heute, an einem möglichst diskriminierungsfreien Miteinander arbeiten. Zudem erachten wir eine Organisierung von Menschen, welche dieselben Lebensrealitäten haben und von denselben Diskriminierungs- und Ausbeutungsformen betroffen sind, in Zusammenschlüssen und Gruppen als wichtig. Ein Monster mit vielen Köpfen kann auch an vielen Köpfen und mit verschiedenen Waffen angegriffen werden. Gleichzeitig müssen wir uns einig sein, dasselbe Monster anzugreifen, um alle Köpfe zu Fall zu bringen. Kämpfen wir also gegen Sexismus, gegen Rassismus, gegen Ableismus, gegen die Ausbeutung unserer Umwelt und gegen alle anderen Köpfe dieses Monsters im Bewusstsein, dass wir dabei auch den Kapitalismus bekämpfen. Kämpfen wir also beispielsweise gegen die zusätzliche Abhängigkeit von Menschen, die unbezahlte Care- und Hausarbeiten leisten, von ihren lohnarbeitenden Partner*innen, im Bewusstsein, dass auch die Lohnarbeit der Partner:innen zu bekämpfen ist. 


Der Kampf gegen den Kapitalismus ist nur möglich, wenn wir ihn als Arbeiter:innenklasse solidarisch und damit gemeinsam führen. Lasst uns unsere Verschiedenheit anerkennen - unsere unterschiedlichen strukturellen Lagen, Erfahrungen und Sorgen - und in Solidarität als geeinte Klasse zusammenkommen. So verbindet den 59-Jährigen, der an der 1. Mai-Demo gegen die Sparmassnahmen aufgrund der Coronakrise protestiert, und die Mutter, die im Rahmen eines feministischen Streiks ihre Arbeit niederlegt, den geflüchteten Menschen, der sich am Aufbau einer solidarischen Nahrungsmittelverteilung beteiligt und den Sans-Papier, der sich zusammen mit Menschen aus dem gleichen Rückkehrzentrum organisiert, noch etwas mehr als ihre Klassenposition: In ihrer Widerständigkeit und in ihrem revolutionären Potenzial dieses System zu beenden, sind sie vereint! Nur wenn wir unsere Gemeinsamkeit des Leidens in einen vereinten Widerstand gegen den rassistischen, patriarchalen, ableistischen Kapitalismus und in ein solidarisches Miteinander umwandeln, können wir die Macht des Kapitals brechen. Um das mehrköpfige Monster zu bezwingen, müssen wir seine verschiedenen Gesichter kennen. Wir rufen daher im Rahmen der revolutionären ersten Mai-Kampagne dazu auf, die verschiedenen Gesichter des Monsters Kapitalismus zu benennen. Wir laden alle Menschen ein, sich an der Kampagne zu beteiligen und ihre Erfahrungen von Unterdrückung und Krisen in einer kapitalistischen Gesellschaft einzubringen, beispielsweise in Form einer Veranstaltung, einer Rede an der Demo, einem Text oder mit Social-Media Beiträgen. Welche Krise(n) erlebt ihr/erlebst du in deinem Alltag? Welche Krisen beschäftigen euch? Wie geht ihr/du damit um? Teilt es uns via Mail oder auf Social Media mit. Doch die Benennung der verschiedenen Gesichter reicht nicht aus. Wir müssen auch eine kollektive Antwort auf die Vereinzelung durch die Köpfe des Monsters formulieren: Bauen wir solidarische Strukturen und solidarische Beziehungen auf, organisieren wir uns mit Verbündeten! Wir rufen zu einer übergreifenden Solidarität zwischen verschiedenen politischen Gruppen und Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen auf und wollen gemeinsam für ein selbstbestimmtes und herrschaftsfreies Leben für alle kämpfen. Heraus zur revolutionären Demo am 1. Mai!


*Die Produktionsmittel umfassen alle Dinge, die bei Herstellungsprozessen verwendet werden, wie beispielsweise Werkzeuge, Maschinen, Rohstoffe, Büros, Boden etc. In kapitalistischen Gesellschaften sind die Produktionsmittel in den Händen einiger weniger privaten Personen, was bedeutet, dass alle anderen Menschen keinen Zugang zu lebensnotwendigen Ressourcen haben, ausser sie verkaufen ihre Arbeitskraft für Lohn. Diese Trennung der Lohnabhängigen (=Produzent*innen) von den Produktionsmitteln (=Dinge, die zum Herstellen von überlebenswichtigen Dingen gebraucht werden) ist die Grundlage für die Ausbeutung der Arbeiter*innenklasse. 


Kontakt: 


Mail: antika-kampagne@immerda.ch

Facebook: Schwarz Rot Bern

Instagram: bern_schwarzrot


Quellen:


[1] https://www.unicef.de/mitmachen/ehrenamtlich-aktiv/-/arbeitsgruppe-frankfurt-main/alle-10-sekunden-stirbt-ein-kind-an-hunger-/161058


[2] https://www.umwelt-im-unterricht.de/hintergrund/globale-bevoelkerungsentwicklung-nahrungsmittelproduktion-und-umweltfolgen/


Programm zum 1. Mai 

Veranstaltungen im Rahmen der revolutionären 1. Mai Kampagne

  •  14.4.22, 18.00 Themenreihe "10 Jahre Rojava Revolution", Dachstock
  •  19.4.22, 19.00 Vortrag: Care Arbeit im Wandel - Eine Geschichte der bezahlten und unbezahlten Haus- und Betreuungsarbeit von Frauen im Sääli, Brasserie Lorraine
  •  24.4.22, 14.00 Polittreff und Transpimalen mit Fokus 1. Mai, Tripity
  •  28.4.33 18.00 Themenreihe "10 Jahre Rojava Revolution", Dachstock
  •  30.4.22 15.30 Demo in Thun, Rathausplatz
  •  30.4.22 ab 17.00 Konzerte und DJ-Sets im AKuT Thun
  •  1.5.22, 15.00 Demo Rosengarten Bern
  •  2.5.22, 19.00 Kritischer Bildungsabend: „Warum gibt es ständig Krisen im Kapitalismus? – Ein Erklärungsversuch mithilfe der Wertkritik“ im de_block, organisiert von Raaupe
  •  5.5.22, 18.00 Themenreihe "10 Jahre Rojava Revolution", Dachstock
  •  6.5.22, 20.30 Filmabend: „The Navigators“ im de_block, organisiert von IWW
  •  12.5.22, 18.00 Themenreihe "10 Jahre Rojava Revolution", Dachstock

 

Out of the crisis - in solidarity against capitalism
Call for revolutionary May 1st campaign and demo


Existential fears, racism, burn-outs, flight, sexism, poverty, dependency, war, stress, destruction of nature and other hardships: the list of effects of capitalism on our everyday life and the recurring crises is long. By no means are all people affected in the same way or to the same extent. The sufferings could not be more different. But what connects the woes of a 59-year-old laid off in the Corona crisis with a single mother of three trying to juggle household chores, childcare, and paid work? What connects a sans-papiers, who has to work without an employment contract under lousy conditions, with a refugee who experiences violence by border guards at the outer border of Fortress Europe? What connects an IV recipient, who is repeatedly harassed by the authorities, and a person affected by racist police violence? It's the same capitalist conditions, including racist and patriarchal structures, that are responsible for the situation of these people. These people - even if their position and concrete life realities are very different and not comparable - have one thing in common: they are part of the global working class.


The working class: All people who do not own any means of production* and therefore have to sell their labor power in order to survive. This may sound like the 19th century to some. But all of us, unless we inherit a hell of a lot of money or a company, are dependent on capital in various ways. Sure, some wage earners have a high wage, for others not even the subsistence level is covered. Some have completed an apprenticeship, others have studied, and still others have dropped out of education. Some are exploited in prison, others have to do unpaid housework and care work, and are thus additionally dependent on wage-earning partners. Some have enough money to buy their own home, others live on the street. Some have direct access to the labor market, others are dependent on controlling and restrictive social pension systems. But the common ground remains: We are all dependent on those who own means of production. We all suffer from capitalism and its crises.


Capitalism is a monster with many heads. A monster that excludes the vast majority of people from the things we need to survive. Thus, in our world, every 10 seconds a child under the age of five dies of hunger [1], while in the same world food for 12 billion people is produced every day. [2] The same monster that causes people to starve in front of full shelves also exploits our environment, without regard for collateral damage, down to the last drop of drinking water in the wells, down to the last tree in the rainforest. A monster that mercilessly exploits the exclusion of people from the means of production* and the resulting dependencies to play people off against each other and force them into competition. In doing so, the (over)exploitation of different people is advanced and legitimized with the help of various forms of discrimination, such as sexism, racism, or Ableism. These discriminations lead to the division of the working:inside class: Usually it is much easier to step even further down than to rebel against the monster. Therefore, we cannot only work towards the liberation of workers* from wage labor, but we must also attack patriarchy, heteronormativity, racism, rejectionism etc. It is necessary to link struggles and fight together for the liberation of all people from hierarchies and oppression.


These struggles do not look the same for all people. Because not all people have the same experiences and are affected by the same discriminations. It is impossible for us to break out of our socialization overnight or to overcome our various afflictions. Nevertheless, we have to work already today, on a preferably discrimination-free coexistence. In addition, we consider an organization of people who have the same life realities and are affected by the same forms of discrimination and exploitation in associations and groups as important. A monster with many heads can also be attacked on many heads and with different weapons. At the same time, we must be united in attacking the same monster to bring down all heads. So let's fight against sexism, against racism, against Ableism, against the exploitation of our environment and against all the other heads of this monster, knowing that in doing so we are also fighting capitalism. So let's fight, for example, against the additional dependency of people who do unpaid care and domestic work on their wage-earning partners, knowing that the wage-earning work of the partners must also be fought. 


The struggle against capitalism is only possible if we lead it as a working class in solidarity and thus together. Let us recognize our differences - our different structural situations, experiences and concerns - and come together in solidarity as a united class. Thus, the 59-year-old protesting at the May Day demonstration against the austerity measures due to the Corona crisis, and the mother who lays down her work as part of a feminist strike, the refugee involved in building solidarity food distribution, and the sans-papier organizing together with people from the same asylum center, are united by something more than their class position: in their resistance and in their revolutionary potential to end this system, they are united! Only if we transform our commonality of suffering into a united resistance against racist, patriarchal, ableist capitalism and into solidarity with each other, we can break the power of capital. To defeat the multi-headed monster, we need to know its different faces. Therefore, as part of the revolutionary first of May campaign, we call for naming the different faces of the monster capitalism. We invite all people to participate in the campaign and contribute their experiences of oppression and crises in a capitalist society, for example in the form of an event, a speech at the demo, a statement, text, film or with social media contributions. What crisis(es) do you experience in your everyday life? What crises are you dealing with? How do you deal with them? Share it with us via mail or on social media. But naming the different faces is not enough. We also need to formulate a collective response to the isolation through the heads of the monster: Let's build structures and relationships of solidarity, let's organize with allies! We call for an overarching solidarity between different political groups and people with different experiences and want to fight together for a self-determined and domination-free life for all. Out to the revolutionary demo on May 1st!


*The means of production include all things used in manufacturing processes, such as tools, machines, raw materials, offices, land, etc. In capitalist societies, the means of production are in the hands of a few private individuals, which means that all other people have no access to vital resources unless they sell their labor power for wages. This separation of the wage-earners from the means of production (=things needed to produce things necessary for survival) is the basis for the exploitation of the working class. 

Heraus zum revolutionären 1. Mai in Bern

Hier findest du Informationen rund um die Demonstration zum 1. Mai im Bern